Bauökologie - was es bedeutet und was nicht ... |
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| Maßnahmenbeschreibung | Querinfos |
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Die Wissenschaft der Ökologie beschreibt die "Wechselbeziehungen zwischen
den Lebewesen und ihrer Umwelt". Sie befaßt sich "mit dem Stoff- und
Energiehaushalt der Biosphäre und ihrer Untereinheiten". Ökologisches
Gleichgewicht ist zu definieren als "ungestörter Haushalt der Natur".
Der Begriff "Bauökologie" ist hinsichtlich der letztgenannten Definition ein Widerspruch in sich: Bauen impliziert einen Eingriff in die Umwelt zum Wohle des Menschen. Die biblische Aufforderung "Macht Euch die Erde untertan" prägte die abendländische Kultur: der Mensch im Mittelpunkt als Bezwinger und Beherrscher der Natur. Andere Kulturen sehen den Menschen als Teil der Natur und Umwelt. Bezeichnenderweise unterlagen sie in der Auseinandersetzung mit der imperialistisch strukturierten abendländischen Denkweise: gleich ob nord- oder südamerikanische Indianer, afrikanische Stämme oder australische Aborigines. "Das Gebäude der Zivilisation ist mittlerweile erstaunlich komplex geworden, doch je kunstvoller es wird, um so weiter fühlen wir uns von unseren natürlichen Wurzeln in der Erde entfremdet." Es entsteht eine tiefsitzende Sehnsucht nach Weisheiten eben derjenigen Völker, die durch Technik und Zivilisation vertrieben wurden. "Wenn der ... letzte Baum gefällt ist, merkt ihr, daß man Geld nicht essen kann." In einer hochtechnisierten Welt, in der es einer großen Mehrheit der Bevölkerung gut geht, wo Wohlstand überwiegt und umweltbedingte Krankheiten als Schicksal von einzelnen betrachtet werden, ist es ein langer Weg, bis sich derartige Gedanken durchsetzen. Bis ein gesellschaftlicher Konsens gefunden wird, der liebgewordene Besitzstände zugunsten der Umwelt zurückschraubt. Um einem Mißverständnis von vorneherein zu begegnen: Die Zielrichtung der in diesem Buch dargestellten Maßnahmen für eine höhere Umweltverträglichkeit des Bauens verlangt keine Komfortminderung. Im Gegenteil, viele Vorschläge erhöhen das Wohlbefinden, Behaglichkeit und Wohnniveau. Grundvoraussetzung ist jedoch, daß Bauen als ein Vorgang begriffen wird, der sich in die Abläufe der Natur eingliedert, der die Mechanismen der Biosphäre nicht bekämpft, sondern sie zum Wohl von Mensch und Umwelt in nachhaltiger Weise begreift und anwendet. Was bedeutet Bauökologie für die Baupraxis? Zunächst geht es um eine gesundheitsverträgliche Art des Bauens hinsichtlich der Baustoffe, Konstruktionen und Haustechnik. Diese rein biologische Sichtweise betrifft nur einen Teil der durch das Bauen verursachten Eingriffe in die Umwelt. Eine umfassende Betrachtensweise ist jedoch erforderlich: • der Eingriff in den Naturhaushalt durch Rohstoffgewinnung für Baustoffe und technische Ausrüstungen, • die Belastungen durch die Produktion, • Auswirkungen der Verarbeitung, Folgen der Nutzung nicht nur für die Bewohner, sondern auch für Klima, Luft, Boden und Wasser durch Emissionen von Heizungsabgasen oder Kühlaggregaten und schließlich • die Betrachtung der Verwertung aller Konstruktionen und Baustoffe nach Ablauf der Nutzung. Sehr viel plastischer läßt sich dem Thema nahekommen durch die Umkehrung der Frage: Was bedeutet ökologisches Bauen nicht ? Es ist nicht der Wintergarten über zwei Geschosse am Eigenheim, ebensowenig die integrierte Photovoltaikanlage im Firmensignet über dem Publikumseingang eines Verwaltungsgebäudes. Auch ein begrüntes Dach allein macht es nicht aus. Nicht die architektonisch geschickte Ansammlung von Attitüden, sondern stimmige Gesamtkonzepte. Es ist keine Spielwiese für besserverdienende Akademiker, sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die nur erfolgreich sein kann, wenn die sozialverträgliche Komponente enthalten ist. Umweltpolitik ist keine Aneinanderreihung von medienträchtigen Modellprojekten, sondern Schaffung von Rahmenbedingungen für flächendeckende Verbesserung der Umweltverträglichkeit beim Bauen. Nicht nur teure Alternativprodukte dürfen umweltverträgliches Bauen prägen, sondern vor allem die Verbesserung kostengünstiger eingeführter Produktlinien. Das Handlungsinstrumentarium zur Durchsetzung dieser Ziele beinhaltet selbstverständlich Verbote von belastenden Stoffen oder die Umwälzung von Kosten auf Produkte, die bisher aufgrund von Gratis-Umweltbelastungen preisgünstig waren. Umweltschutz beim Bauen bedeutet aber auch nicht Selbstkasteiung, natürlich darf Wohnen Spaß machen. Und die Durchsetzung erfolgt nicht aufgrund moralischer Appelle und schon gar nicht durch ideologiebehaftete Erzeugung von Angst vor vergifteten Materialien und verseuchten Häusern. Die Anforderungen der Bauökologie sind als zusätzliche Parameter zu begreifen, die in die Gesamtplanung einfließen. Sie liegen zu großen Teilen in angrenzenden Fachgebieten begründet: hinsichtlich der Umweltverträglichkeit von Baustoffen in der Medizin, Hygiene, (Öko)-Toxikologie, Chemie, Analytik, Verfahrenstechnik, Baustoffkunde bis hin zum Chemikalien- und Gefahrstoffrecht. Der Energiebereich umfaßt ein mindestens ebenso weites Spektrum: Physik, Haustechnik, Werkstoffkunde und Maschinenbau in allen Segmenten anzuwendender Technik, Energieberatung, Tarifrecht und daneben betriebswirtschaftliches Denken für vergleichende Analysen. Interdisziplinäre Zusammenarbeit ist unabdingbar. Dennoch bleibt es Aufgabe des Planers, die Koordination durchzuführen und das Wissen für ein funktionierendes Gesamtkonzept zu vereinigen. Gute Entwürfe zeichnen sich nicht durch die Anhäufung möglichst vieler Merkmale aus, sondern durch einfache Konzepte mit planerisch abgestimmten Komponenten. So ist zum Beispiel ein gutes Niedrigenergiehaus nicht unbedingt ein Gebäude, das auf Spezialkugellagern mittels Brennstoffzellenstrom aus solar erzeugtem Wasserstoff der Sonnenausrichtung nachfährt und dadurch den Effekt der passiven Solarausnutzung um 12,7% steigert. Es reicht auch ein herkömmliches Gebäude, welches mit ausreichend Dämmung, guter Ausrichtung und vielleicht einer kontrollierten Wohnungslüftungsanlage mit einem Bruchteil des Aufwands die gleiche Energiekennzahl erreicht. Der Reiz liegt darin, daß es keine alleingültigen Prinzipien für umweltgerechtes Bauen gibt. Die Vielfältigkeit des Entwurfs wird nicht eingeschränkt. Im Gegenteil, es sind unendlich viele Wege und Kombinationen von Maßnahmen möglich, um ein Gebäude zu errichten, das sich zu weiten Teilen in die Kreisläufe der Natur einfügt. |