Baukosten senken - auf die Strategie kommt es an !

Eigenleistung - Der wichtige Faktor Zeit

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Maßnahmenbeschreibung
Bei der Kalkulation des für ein bestimmtes Eigenleistungspaket erforderlichen Zeitaufwandes wird oft recht blauäugig geschätzt. So werden die eingesparten Handwerkerstunden mit den aufzuwendenden Eigenleistungsstunden gleich gesetzt.

Beispiel:

Ein Rohbau kostet laut Angebot des Bauunternehmers 80.000 Euro. Der für diesen Rohbau erforderliche Materialeinsatz beträgt 35.000 Euro. Wenn man ca. 10 % für Gewinn und Wagnis abzieht, verbleiben für die Lohnaufwendungen ca. 40.500 Euro. Bei einem mittleren Stundensatz (incl. Lohnnebenkosten) von 30 Euro für das eingesetzte Personal kalkuliert der Unternehmer ca. 1350 Mannstunden. Eine 4-köpfige Kolonne benötigt für den Rohbau rund und roh 42 reine Arbeitstage, ohne Abbindefristen und sonstige Wartezeiten.

Die Arbeit eingespielter Handwerkerkolonnen geht unter Zuhilfenahme von professionellem Werkzeug erheblich effektiver vonstatten als die Arbeit eines zwar motivierten aber ungeübten Bauherren mit seinen Helfern. Normalerweise gelingt es ihm so eben, das Arbeitspaket in der doppelten Stundenzahl zu bewerkstelligen. Der Zeitaufwand beträgt also etwa 2800 Stunden für das gleiche Paket. Der Stundenertrag beträgt also nicht 30 Euro, sondern allenfalls 15 Euro.

Wenn der Bauherr auf zwei gleichermaßen motivierte Helfer zählen kann, dann werden für die Herstellung des Rohbaus über 900 Stunden für die Dreier-Gruppe benötigt. Dieser Zeitaufwand muß erst einmal dargestellt werden. Wenn alle anderen Freizeitaktivitäten zurückgestellt werden, kann man vielleicht an einem Werktag 5 Stunden zusätzlich arbeiten, am Samstag vielleicht 10 Stunden. Im Urlaub könnten auch 10 Stunden gearbeitet werden.

4 Wochen Urlaub zu je 60 Stunden ergibt 240 Stunden
19 Wochen Normalzeit zu je 35 Stunden ergibt 665 Stunden

Gesamtzeitaufwand 905 Stunden


Der Rohbau ist in diesem Fall also nicht nach 9 Wochen, sondern erst nach 23 Wochen fertig, bei durchgehend 6 Tagen Arbeit pro Woche. Das muß die Selbsthilfegruppe erst einmal leisten und vor allem beständig durchhalten.

Unter Berücksichtigung eines durchschnittlichen Eigenleistungsertrags von etwa 15 Euro pro Stunde geleisteter Selbsthilfe, müssen den üblicherweise genannten Einsparbeträgen erhebliche Stundenzahlen gegenüberstehen. 15.000 Euro Einsparung an Handwerkerleistung bedeuten dann etwa 1000 Stunden Zeitbedarf.

Anders sieht die Rechnung natürlich aus, wenn man geübte Fach-Handwerker im Freundes- oder Familienkreis hat, die ebenso schnell und versiert wie eine Unternehmerkolonne arbeiten. Aber wer hat schon das Glück, solche Bekannte zu haben, die über einen so langen Zeitraum in echter Nachbarschaftshilfe für den Bauherren arbeiten.

2000 Dipl.Ing. Hans-Peter Schmitz, Erftstadt   Homepage  Email