Auf der Baustelle präsent sein |
Querinfos mit Zurück-Button Ihres Browsers verlassen
| Maßnahmenbeschreibung | |
|---|---|
|
Unabhängig davon, ob Sie wenig oder viel Selbsthilfe erbringen oder ob
Sie Ihr Objekt sogar schlüsselfertig errichten lassen - es ist aus meiner
Erfahrung eminent wichtig, als Bauherr auf der Baustelle präsent zu sein.
Die oft von Handwerkern, Unternehmern oder auch Architekten gehörten
Sprüche "Laß uns doch in Ruhe und ungestört arbeiten, bis wir fertig
sind, dann geht es schneller und besser" sollten Sie ignorieren. Auch wenn
sicher der eine odere andere Ablauf, inbesondere aus der Sicht der
Ausführenden, ohne ständiges Kontrollieren des Bauherren reibungsloser
und damit auch schneller vonstatten geht, bleibe ich bei meiner Einschätzung.
Der Bauherr muß einfach seine Interessen gegenüber den anderen Parteien, die
an seinem Bauvorhaben beschäftigt sind, ständig vertreten.
Es ist sicher richtig, daß ein Architekt die Interessen seines Auftraggebers, nämlich des Bauherren, engagiert vertreten soll und normalerweise auch vertritt. Aber auch hier gibt es Licht und Schatten. Gerade Architekten, die einen guten Ruf haben, werden weiterempfohlen und sind damit zumeist gut ausgelastet. Hier fehlt dann häufig die Zeit, um sich intensiv um die einzelne Baustelle zu kümmern. Nur wenige Architekten sind täglich auf der Baustelle und schauen nach dem Rechten. In vielen Fällen trifft man den Architekten nur einmal die Woche, oder noch seltener auf der Baustelle an. Und was ist in der Zwischenzeit? Auf einer Baustelle tauchen täglich neue Fragen auf, die man so oder so entscheiden kann. Hat der Polier oder Vorarbeiter nun keinen regelmäßig anwesenden Ansprechpartner - nicht alle Fragen können telefonisch abgeklärt werden - dann werden die Entscheidungen eben ohne Architekt und Bauherrenschaft getroffen. Die Arbeit muß ja weitergehen. Wurde aber erst einmal nach einer solchen Entscheidung drei Tage in die falsche Richtung gearbeitet, wird man sich sehr schwer tun, das Steuer herumzureißen. Zu viel Arbeitszeit und Material wurde bis dahin schon investiert. Man kann davon ausgehen, daß der Unternehmer den eingeschlagenen Weg, auch wenn er nicht "richtig" war, mit Zähnen und Klauen verteidigen wird. Das kann man vermeiden, wenn mindestens einmal täglich, am besten vor der Arbeitsaufnahme, also früh morgens, jemand Vor-Ort ist, der zu treffende Entscheidungen direkt trifft oder aber eine Entscheidung, z.B. in Abstimmung mit Architekt oder Statiker, kurzfristig herbeiführen kann. Dies ist normalerweise auch für den Unternehmer vorteilhaft, da sein Risiko einer nachträglich bemängelten Ausführung nur noch relativ gering ist. Wenn Regiearbeiten ausgeführt werden, liegt es in Ihrem eigenen Interesse, noch häufiger, und vor allem unangekündigt auf der Baustelle zu erscheinen und sich vom hoffentlich zügigen Arbeitsfortschritt zu überzeugen. Treten hierbei Probleme auf, ist es besonders wichtig, daß sofort jemand da ist und entscheidet, um Verzögerungen und damit Mehrkosten zu vermeiden. Der Bauherr tut gut daran, wenn er seine täglichen Baustellenbesuche nicht nur zum Schwätzchen mit dem Polier nutzt, sondern alle neuen Arbeitsabschnitte mit den Ausführungsplänen vergleicht und alle Unstimmigkeiten sofort mit dem Bauleiter abspricht oder den Architekten um Klärung bittet. Dabei sollte er sich Notizen machen, lieber zuviel als zuwenig, mit Datum und Uhrzeit natürlich und über Inhalt und Gesprächspartner bei getroffenen Absprachen. Sind die Absprachen vertrags- oder kostenrelevant, sollte er sich zusätzlich die Aufzeichnungen von seinem Gesprächspartner abzeichnen lassen. Es hat sich bewährt, die Leistungsbeschreibung, insbesondere bei einem schlüsselfertigen Objekt, immer dabei zu haben und alle Leistungspositionen, sobald sie in korrekter Ausführung erbracht sind, im Text durchzustreichen. Auf diese Weise können eigentlich keine wesentlichen Dinge mehr übersehen werden und der Bauherr ist sicher, auch die Leistung zu bekommen, die er beauftragt hat. Wenn der Unternehmer gut arbeitet und das Projekt abläuft, wie vorgesehen, wird er die Aufzeichnungen - wie übrigens Verträge allgemein - später nie mehr in die Hand nehmen. Dann ist der Aufwand im Grunde vergebens gewesen. Sobald aber etwas schief läuft, kehrt sich das Bild um. Der Bauherr ist dann für jeden Fetzen Papier dankbar, der die "Beweislage" bei einem Rechtsstreit zu seinen Gunsten beeinflussen kann. Hier sollen beileibe keine Probleme herbeigeredet werden. Aber es wird auch Ihnen so ergehen : Nachdem Ihr Projekt mehr oder weniger reibungslos abgeschlossen ist, werden Sie sich schwören, beim nächsten Mal vieles anders und besser zu machen. Die hier beschriebenen Aufzeichnungen zum täglichen Fortgang der Baustelle gehören mit Sicherheit dazu. Zusätzlich zu den schriftlichen Aufzeichnungen sollten Sie gut belichtete Fotos machen. Je mehr und je detaillierter, umso besser. Man weiß leider nie im Voraus, welche Fotos später als Beweis benötigt werden. Deswegen im Zweifel mehr fotografieren. Vergessen Sie zum Beispiel nicht, alle noch unverputzten Wände mit sichtbaren Installationen (Sanitär, Heizung und Elektro) zu fotografieren. Fotografieren Sie einen Metermaßstab mit, um anhand der Fotos später die Lage von Leitungen ungefähr einmessen zu können. Diese Fotos können zwei wichtige Funtionen übernehmen. Sie sind sehr hilfreich, wenn der Verputzer Ihrer Kontrolle der Installationsaufmaße zuvor kommt, und alle Schlitze schon verschlossen sind. Dann können Sie wenigsten die Plausibilität der Aufmaße überprüfen. Wenn Sie später in die Installationswände Dübel setzen oder einem Rohrbruch nachspüren müssen, sind Sie ebenso froh, die Fotos zu haben. Sie werden sich irgendwann schwarz ärgern, wenn Sie nicht fotografiert haben. Im Kopf behalten kann man diese Flut an Informationen auf Dauer ganz sicher nicht! Um die mit den täglichen Baustellenbesuchen verbundenen Aufwendungen wenigstens zum Teil vom Finanzamt erstattet zu bekommen (absetzbar als Finanzierungs- oder Herstellungsaufwand) reicht das Tagebuch normalerweise schon als Nachweis aus. Es ist kein großer Mehraufwand, von vorneherein parallel ein Fahrtenbuch zu führen. Mindestens einmal pro Woche sollte ein gemeinsames Treffen mit Architekt und Bauleiter angesetzt werden, wo alle aufgetretenen Fragen und anstehenden Arbeiten besprochen werden. Architekt und Bauunternehmer sollten dem Bauherren bei diesen Treffen jeweils bestätigen, daß die Arbeiten sowohl im vereinbarten Terminrahmen ablaufen und keine Verzögerungen zu erkennen sind. Wichtig ist auch die Aussage, daß im Moment keine Gründe vorliegen, die zu Kostenverteuerungen führen könnten. Der Bauherr sollte ein kleines, stichwortartiges Protokoll mit den wichtigsten Aussagen erstellen und an die Gesprächsteilnehmer verteilen. |