Kosteneinsparpotential : Optimierter Raumbedarf

Maßnahmenbeschreibung

In der Konzeptphase eines Bauprojektes bestehen die grössten Einsparpotentiale. Innerhalb der Konzeptphase werden die grundsätzli chen Eigenschaften eines zu planenden Bauvorhabens definiert.

  • Nutzungskonzept (selbstgenutzt, vermietet, zu verkaufen)

  • Ausstattung des Objekts (einfach, gut, luxuriös ausgestattet)

  • Grösse des Objekts (Raumbedarf)

  • Standort des Objekts (Standortprofil)

  • Ausrichtung des Objekts (Sonne, Medien, Strasse)

    Jedes der aufgelisteten Kriterien verursacht mit Steigerung der Anforderungen steigende Kosten (je besser die Ausstattung, je grösser das Objekt, je besser die Wohnlage - umso teurer). Die Anforderungen beeinflussen sich auch gegenseitig und müssen, im Sinne eines maximalen Nutzens für den privaten oder gewerblichen Investor, zu einem Gesamt-Optimum geführt werden.

    Wollen Sie möglichst effektiv an der "Kosten-Stellschraube" drehen, sollten Sie auf jeden Fall vermeiden, grösser als erforderlich zu bauen. Die Anforderungen an die Grösse eines Wohnhauses können individüll sehr verschieden sein. Wir wollen Ihnen nicht einreden, dass 100 m2 Wohnfläche alle Wechselfälle des Lebens abdecken können. Wir möchten Sie aber auch davon abbringen, ohne fundiertes Nachdenken vorschnell zu sagen : Mein Haus muss mindestens 180 m2 Wohnfläche haben.

    Begründungen für ein grösseres Objekt wie

  • ich liebe nun einmal grosszügige Räume

  • man weiss ja nie, was noch kommt

  • auf dem Grundstück wirkt ein kleines Haus nicht

  • ich habe viele grosse Möbel

  • man baut ja nur einmal, deshalb lieber etwas grösser,

    enspringen mehr dem Bauch als kühler Ueberlegung. Mit der Entscheidung für mehr Wohnfläche erhält man nicht automatisch mehr Wohnqualität, höhere Baukosten entstehen jedoch auf jeden Fall.



    Sie sollten also sich in einem mehrstufigen Denkprozess im Detail überlegen, welcher Raumbedarf wirklich besteht. Nur so können Sie mit Sicherheit vermeiden, unnötig hohe Kosten zu produzieren.

    1.Stufe

    Welche Räume benötige ich überhaupt ?

    Ist ein separates Esszimmer erforderlich, oder tut es ein Wohn-/ Esszimmer ? Muss jeder Ehepartner einen eigenen Arbeitsraum oder Raum für sein Hobby haben oder ist ein gemeinsamer Raum nicht besser für die Kommunikation ? Ist ein Partykeller wirklich nötig oder kann er mit einer anderen Funktion kombiniert werden ? Muss es ein separates Gästezimmer sein oder ist eine Schlafcouch im Hobbyraum auch praktikabel ? Ist ein Hauswirtschaftsraum oder eine etwas grössere Küche zweckmässiger ? Können einzelne Räume auch im Kellergeschoss (preiswerter) realisiert werden. Grosse Kellerräume ohne wirklichen Bestimmungszweck sind reine Geldverschwendung.

    2.Stufe

    Wie gross sollte jeder Einzelraum sein ?

    Vorüberlegen, was, wie und zu welchen Zeiten in einem bestimmten Raum stattfinden wird. Welche Möbel müssen untergebracht werden können - welche wären wünschenswert ? Was sind die Nutzzonen in einem Raum - was die Verkehrszonen ? Arbeiten Sie mit Raumtrennern. Skizzieren Sie jeden Raum als massstäbliche Grundrisszeichnung.

    3.Stufe (mit etwas zeitlichem Abstand)

    Kann ein Raum ohne gravierenden Nachteil verkleinert werden ?

    Versuchen Sie, für jeden Raum die reinen Verkehrszonen zu verkleinern oder ganz zu eliminieren. Verschieben Sie gezielt die Anordnung von Türen und Möbeln. Teilen Sie den Raum anders auf. Kombinieren Sie Nutzungszwecke. Wie häufig wird eine bestimmte Nutzungsart erforderlich ? Nutzen Sie für Schrank- und Regalflächen die Raumhöhe aus ? Nutzen Sie die unteren Dachschrägen als Stauraum ? Schauen Sie sich Raumaufteilungen und Raumgrössen in Fertighäusern an, die funktionelle Lösungen bei oft erstaunlich kleinem Platzbedarf zeigen.

    Es geht nicht um Peanuts !

    Jeder unnötige Quadratmeter Raumfläche verursacht Mehrkosten zwischen 1.300 Euro und 2.000 Euro. 20 m2 entbehrliche Raumfläche kosten voll finanziert je nach Zinssatz vor Steuer 150-350 Euro/Monat. Im Laufe einer 30jährigen Hypothekenlaufzeit entstehen somit Mehrkosten zwischen 70.000 und 120.000 Euro.

    Für die Aufstellung eines am tatsächlichen, individüllen Bedarf orientierten Raumprogramms sollten Sie sich sehr frühzeitig aus reichend Zeit gönnen. Gehen Sie mehrstufig vor und lassen Sie zwischen den einzelnen Stufen etwas Zeit verstreichen. Diese Arbeitszeit ist mit Sicherheit gut investiert. Und informieren Sie sich ausführlich. Halten Sie die Augen offen und besuchen Sie Fertig haus-Ausstellungen. Hier finden Sie eine Riesenauswahl geschickt optimierter Raumgrundrisse, die funktionell, praxiserprobt und oft erstaunlich platzsparend sind.

    Dokumentieren Sie alle Ueberlegungen. Bringen Sie alles zu Papier. Es muss nicht schön sein. Bei Ihren ersten Gesprächen mit dem Architekten werden diese Unterlagen sehr wertvoll für Sie sein.


  • 2003 Dipl.Ing. Hans-Peter Schmitz, Erftstadt   Homepage  Email